Erlaub dir katastrophal zu sein! - Anti-Perfektionismus
Ich will perfekt sein. In allem was ich tue. Wo das Problem ist? Niemand ist jemals beim ersten Versuch perfekt. Aber mein Kopf sagt mir:
Die Idee ein Buch zu schreiben hat mich immer fasziniert. Aber Autoren, das sind wahnsinnig intelligente produktive Wesen. Jedes Wort ist überlegt. Jeder Satz eine Kunst. Das könnte ich nie. Aber dann irgendwann dachte ich mir, na gut. Ich kann es ja mal probieren. Und danach löschen. Stellt sich raus, dass es gar nicht so schwer ist ein Buch zu schreiben. Aber es ist sehr schwer, ein gutes Buch zu schreiben. Das Schöne am Schreiben ist, dass man ein fertiges Buch noch ungefähr 30 Mal überarbeiten muss. Und mit jeder Korrektur wird es ein kleines ministückchen besser. Und selbst wenn es am Ende nicht perfekt ist, dann existiert es doch. Und man hat dazu gelernt. Und das nächste Buch wird besser. Vielleicht.
Ein anderes Beispiel:
Eure Wohnung ist eine Katastrophe. Alles liegt rum. Unsortiert. Dreckig. Ihr seid absolut überfordert. Wo soll man anfangen? Ist das nicht zu anstrengend? Lieber nicht. Aber wenn du nur eine Socke aufhebst.. dann ist deine Wohnung saubrerer. Nicht viel. Aber mehr als vorher. Jeder kleine Schritt, ist wichtig. Außerdem sage ich immer: Wenn an den Fensterscheiben Streifen zu sehen ist, dann sehen Leute jedenfalls, dass man geputzt hat.
Das Geheimnis von jeder Produktivität, jeder kreativen Arbeit, fast jedem Lebensziel ist sich die Erlaubnis zu geben, katastrophal zu sein. Wir können nicht einen ewig langen Weg sehen und zum Ende springen. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt nicht wirklich ein Ende. Wenn du losgehst, dein Ziel einprogrammiert hast und gute Fortschritte machst, dann gibt es ein neues Ziel sobald du dein altes erreicht hast. Es gibt in kaum einem Teil unseres Lebens so wirklich “das endgültige Ziel”.
Ich wollte früher auf YouTube 100 Abonnenten haben. Als ich die erreicht hatte, wollte ich 500. Dann 1000. Dann 10.000. Es gibt meistens Ziele auf Zeit, aber selten endgültige Ziele.
Vielleicht ist es heute schwieriger als früher schlecht zu sein. Ständig wird man bewertet, vor allem online, alles ist cringe, pickme, peinlich. Ich finde vieles, was ich getan habe, auch super peinlich. Aber andrerseits haben genau diese peinlichen Momente mich voran gebracht, mich besser gemacht und haben mir Türen geöffnet. Ich habe Dinge erlebt, die ich nie erlebt hätte, hätte ich mir nicht erlaubt anfangs schlecht zu sein.
Also mein Aufruf: Erlaub dir selber mal wieder so richtig katastrophal zu sein. Mal das hässlichste Bild der Welt. Sing ein Lied so schräg, dass die Nachbarn die Fenster zumachen. Tanz und seh dabei aus als hättest du einen Käfer unterm Tshirt. Oder mach ein YouTube Video und lad es einfach hoch.
Oki, das wars, bis zum nächsten Mal, Adios :)


