Erlaub dir katastrophal zu sein! - Anti-Perfektionismus

 

(Den Beitrag gibt es als Video auf YouTube: https://youtu.be/A1Ov4pYew5s)

Ich habe mein Leben lang ein großes Problem:

Ich will perfekt sein. In allem was ich tue. Wo das Problem ist? Niemand ist jemals beim ersten Versuch perfekt. Aber mein Kopf sagt mir:  

 
Du schreibst dein erstes Buch? Das wird besser ein absoluter Bestseller. Du malst ein Bild? Das hat besser die Qualität von Monet. Du machst YouTube Videos? Alles unter 100k Aufrufen und du bist ein krasser Versager.

 

Aber die Realität ist: Jeder von uns war mal eine Katastrophe. Ein Absoluter Versager. Der schlechteste, untalentieteste Mensch dieser Welt. 
Glaubt ihr mich? Frag mal deine Mutter, ob die Bilder, die du damals im Kindergarten gemalt hast und die sie an den Kühlschrank gehangen hat, wirklich gut waren. Es wird eventuell deine Scheinwelt zerstören. 
Als Kind haben wir unsere Aktivitäten nicht wirklich bewertet. Wir hatten Spaß am Sandburgen bauen. Wir schaukelten und okay, vielleicht haben wir einen Wettbewerb gemacht, wer höher schaukelt, aber Kinder fassen garantiert trotzdem wieder eine Schaukel an, auch wenn sie verlieren. Die schaukeln auch wieder, wenn sie sich dabei schon alle knochen gebrochen haben. Kinder haben Spaß an Sachen, probieren alles, gehen mit einer Naivität durchs Leben, die uns verloren gegangen ist. 
 
Schlimmer noch, je besser wir werden, desto schlimmer wird das Ganze. Wir bewerten uns dann nämlich an einer Messlatte, die wir selber immer und immer wieder nach oben setzen. Und das ist nicht nur in kreativen Dingen der Fall.Dieses immer mehr- immer besser, ist etwas ganz Natürliches. Aber wir haben in der heutigen Zeit ein sehr großes Problem:  
Wir haben absolut keine Geduld mehr. 
Wir erlauben uns gar nicht mehr klein anzufangen und zu wachsen. Wir wollen direkt groß sein. In manchen Dingen sind diese Ansprüche vielleicht gut. Man schafft es schneller in der Karriere in höhere Positionen. Man ist motivierter. Man dümpelt nicht nur vor sich hin. Aber in anderen Bereichen des Lebens? Wir haben plötzlich so ein Respekt davor Dinge anzufangen, weil sie ja schief gehen könnten. Was wenn man nicht gut ist? Wenn man sich nicht entwickelt? Was wenn man gut ist aber sich dann nicht verbessern kann? Was wenn man selber sich gut findet, aber andere nicht? Diese ganzen Fragen und Erwartungen erzeugen eins: 
 
Stillstand.
 
Warum soll man auch anfangen, wenn man weiß, dass was auch immer man macht, vermutlich erstmal nicht gut ist? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Weil etwas was nicht existiert, niemals gut werden kann. Nehmen wir ein Beispiel von mir:
 
Die Idee ein Buch zu schreiben hat mich immer fasziniert. Aber Autoren, das sind wahnsinnig intelligente produktive Wesen. Jedes Wort ist überlegt. Jeder Satz eine Kunst. Das könnte ich nie. Aber dann irgendwann dachte ich mir, na gut. Ich kann es ja mal probieren. Und danach löschen. Stellt sich raus, dass es gar nicht so schwer ist ein Buch zu schreiben. Aber es ist sehr schwer, ein gutes Buch zu schreiben. Das Schöne am Schreiben ist, dass man ein fertiges Buch noch ungefähr 30 Mal überarbeiten muss. Und mit jeder Korrektur wird es ein kleines ministückchen besser. Und selbst wenn es am Ende nicht perfekt ist, dann existiert es doch. Und man hat dazu gelernt. Und das nächste Buch wird besser. Vielleicht.

Ein anderes Beispiel:

Eure Wohnung ist eine Katastrophe. Alles liegt rum. Unsortiert. Dreckig. Ihr seid absolut überfordert. Wo soll man anfangen? Ist das nicht zu anstrengend? Lieber nicht. Aber wenn du nur eine Socke aufhebst.. dann ist deine Wohnung saubrerer. Nicht viel. Aber mehr als vorher. Jeder kleine Schritt, ist wichtig. Außerdem sage ich immer: Wenn an den Fensterscheiben Streifen zu sehen ist, dann sehen Leute jedenfalls, dass man geputzt hat.

Das Geheimnis von jeder Produktivität, jeder kreativen Arbeit, fast jedem Lebensziel ist sich die Erlaubnis zu geben, katastrophal zu sein. Wir können nicht einen ewig langen Weg sehen und zum Ende springen. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt nicht wirklich ein Ende. Wenn du losgehst, dein Ziel einprogrammiert hast und gute Fortschritte machst, dann gibt es ein neues Ziel sobald du dein altes erreicht hast. Es gibt in kaum einem Teil unseres Lebens so wirklich “das endgültige Ziel”.

Ich wollte früher auf YouTube 100 Abonnenten haben. Als ich die erreicht hatte, wollte ich 500. Dann 1000. Dann 10.000. Es gibt meistens Ziele auf Zeit, aber selten endgültige Ziele.

Vielleicht ist es heute schwieriger als früher schlecht zu sein. Ständig wird man bewertet, vor allem online, alles ist cringe, pickme, peinlich. Ich finde vieles, was ich getan habe, auch super peinlich. Aber andrerseits haben genau diese peinlichen Momente mich voran gebracht, mich besser gemacht und haben mir Türen geöffnet. Ich habe Dinge erlebt, die ich nie erlebt hätte, hätte ich mir nicht erlaubt anfangs schlecht zu sein.

Also mein Aufruf: Erlaub dir selber mal wieder so richtig katastrophal zu sein. Mal das hässlichste Bild der Welt. Sing ein Lied so schräg, dass die Nachbarn die Fenster zumachen. Tanz und seh dabei aus als hättest du einen Käfer unterm Tshirt. Oder mach ein YouTube Video und lad es einfach hoch.

Oki, das wars, bis zum nächsten Mal, Adios :)

 


 

Tipps gegen die Emetophobie - die Angst vorm Übergeben!



EMETOPHOBIE 


Dieser Beitrag behandelt die Emetophobie. Sollten dich bestimmte Worte dazu triggern, bitte scrolle zum Hilfe-Teil mit den Tipps!
 
 
 
 Wenn Leute an Phobien denken, denken sie an die Angst vor Höhen, Spinnen, engen Räumen, vielleicht sogar besonderen Phobien wie der Angst vor Löchern… Aber wenige denken an die Emetophobie: Der Angst vorm Übergeben. Dabei ist das eine Phobie, die das ganze Leben kontrollieren kann. Und ich bin eine Betroffene.
 

 

Was ist die Emetophobie?

Die Emetophobie ist eine Angst-Erkrankungen, bei der eine Person irrationale Angst vor Übelkeit und deren Folgen hat. Das bezieht sich aber nicht nur auf die eigene Übelkeit, sondern auch die von anderen und Gespräche darüber.  
Es gibt bisher nicht genug Forschung, was der Auslöser einer Emetophobie ist, aber viele, wie bei mir, haben ein Ereignis, welches der Ursprung der Phobie ist. Bei manchen entwickelt sich das aber auch einfach aus dem Nichts.
Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Phobien, kann eine Emetophobie zu einem stark körperlichen Problem führen: Viele Leidende haben Untergewicht oder Mangelernährungen, aufgrund ihres Verhaltens, um ihre Angst zu kontrollieren. Angesichts dieser Tatsache ist es eigentlich verwunderlich, dass es immer noch so wenig Aufmerksamkeit und Hilfe für Leidende gibt.
Studien zu Folge leiden viele Emetophobier auch an Zwangstörungen, häufig auch OCD genannt. Sie haben ähnliche Muster, wie Zwangsgedanken oder extremen Drang zur Kontrolle.
 

Wie sehr schränkt die Emetophobie das Leben ein?

  •  Sie vermeiden soziale Kontakte - besonders mit "gefährlichen" Personengruppen wie Schwangeren und Kindern.
  • Sie trinken kein Alkohol und nehmen auch keine anderen Substanzen.
  • Sie versuchen allen Formen von Krankheitserregern aus dem Weg zu gehen.
  • Sie kontrollieren ihre Ernährung extrem: Lebensmittel werden nach "gefährlich" und "ungefährlich" einsortiert. Beispiel: Huhn ist gefährlich, weil es zu wenig gekocht sein kann und dann Krankheitserreger überträgt. 
  • Sie essen nur selbst zubereitetes Essen.
  • Sie vermieden lange Autofahrten, Flugreisen, Schiffsfahrten oder alles, was eine Reiseübelkeit auslösen könnte.
  • Sie vermeiden Orte.
  • Sie vermeiden Schwangerschaften.
  • Sie isolieren sich.
  • Sie missbrauchen Medikamente gegen Übelkeit. 

 

 Was hilft?

  1.  Professionelle Hilfe suchen: Bei Anlaufstellen, Therapeuten und Ärzten.  
  2.  Realisieren, dass dein Kopf lügt: Häufig ist dir nicht wirklich übel, aber dein Kopf und die Angst spielt dir Übelkeit vor.
  3.  Ursprung finden: Wenn deine Angst einen Ursprung hatte, versuche diesen Moment zu reflektieren und dich damit auseinander zu setzen. Das kann sehr helfen!
  4.  Medikamente weglassen: Fällt sehr schwer, aber du musst realisieren, dass du ohne klar kommst und auch kleine Gefühle (Völlegefühl, leichte Übelkeit, Sodbrennen, das Hungergefühl) ganz normal ist und nicht zum Ü* führt.
  5.  Konfrontation: Fang klein an mit sogenannten "Realitychecks". Bei mir ist es ein starker Hustenbonbon mit Pfefferminz und Eukalyptus. Jedes Mal wenn mir übel ist, lutsche ich einen. Das zeigt mir: Dir ist gerade nicht übel, dein Kopf lügt. Denn sonst würde es schlimmer werden (Spoiler: Ist es seit über 15 Jahren NOCH NIE!)
  6.  Überwinde Grenzen: Treffe dich wieder mit Freunden. Geh in ein Restaurant. Nehm mal nicht deine Medikamente mit. Fang klein an und steigere dich!
  7.  Arbeite an deiner generellen Angst: Lerne über Meditationen, Entspannungsübungen und Atemübungen, damit du deine Angst bei Panikattacken unter Kontrolle kriegst.
  8.  Mach weiter - JEDEN TAG! Du schaffst das!

 

Fazit

Ich kann nur aus meinen eigenen Erfahrungen sprechen, aber ich weiß, wie belastend das ist, wie wenig diese Phobie ernstgenommen wird, wie schwer es ist darüber hinwegzukommen… aber auch wie extrem viel besser der Alltag ist, wenn die Phobie einen nicht mehr kontrolliert. Heutzutage esse ich mich voll wie sonst was, kann stundenlang Übelkeit haben wegen einem zu vollen Magen und denk mir “ja komm, passiert eh nix”. Das ist ein Wunder für mich.Und du wirst das auch schaffen!!
 
 
Ein ganz bisschen ausführlicher behandele ich das Thema in meinem Video:
https://youtu.be/9Cq2e4YB_8A
Schau doch mal rein!  
 
 
Sara Casy 2019. Powered by Blogger.